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60 JAHRE HEINE OPTOTECHNIK


       

EIN RÜCKBLICK MIT OLIVER UND HELMUT M. HEINE.


       

HEINE - der weltweit größte Exporteur von handgehaltenen Basis-Diagnostik-Instrumenten - feiert das 60. Firmenjubiläum. Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte eines Unternehmens. Helmut M. und Oliver Heine geben Einblicke in die spannende Erfolgsgeschichte eines Unternehmens, das in der dritten Generation auf wahre Werte und familiäre Strukturen setzt.


       

Ihr Vater, Helmut Heine sen., war Physiker und Wissenschaftler. Wie kam er auf die Idee, medizinisch-optische Geräte herzustellen?
 

Helmut M. Heine: Während des Krieges hatte sich mein Vater mit dem Bau von Radargeräten beschäftigt. Um diese Tätigkeit fortsetzen zu können, hätte er mit Ende des Zweiten Weltkriegs in die USA gehen müssen. Denn Radaranlagen wurden als Kriegsgeräte deklariert und durften in Deutschland nicht mehr gefertigt werden. Die Frage des Auswanderns stellte sich für ihn nicht. Allerdings war er ein junger Familienvater mit zwei Kindern im Alter von drei und sechs Jahren. Er musste sich also etwas einfallen lassen, damit er und seine Familie über die Runden kamen. Der Zufall half ihm weiter: Dieser trug den Namen "Uncle John" und war amerikanischer Leutnant. Als ehemaliger Lehrer war "Uncle John" für die Fortbildung der in Herrsching stationierten GIs verantwortlich. Mein Vater half ihm, Drehbänke, Fräsmaschinen und ähnliche Metallbearbeitungsmaschinen nach Herrsching in die Kientalstraße 7 zu bringen. Zudem organisierte er Mitarbeiter aus seiner früheren Arbeitsgruppe, die den Soldaten das Drehen und Fräsen beibringen sollten. Mit den herbeigeschafften Maschinen stellte sich auch die für meinen Vater alles entscheidende Frage: Was sollte man fertigen? Die amerikanische Verwaltung fand die Antwort: medizinische Instrumente! Mein Vater, der bereits während seines Physikstudiums großes Interesse am Thema Medizin hatte, erkannte in dieser Situation sofort seine Chance für einen Neuanfang. Er informierte sich, welche medizinischen Geräte sich für die Fertigung mit Dreh- und Fräsmaschinen eignen würden. Und entschied sich für die Herstellung von Otoskopen, Ophthalmoskopen, Zungenspateln und ähnlichen Instrumenten.



War Ihr Vater schon immer eine Führungspersönlichkeit?
 

Helmut M. Heine: Unbedingt. Er war ein charismatischer und sehr durchsetzungsstarker Mann. Darüber hinaus strebte er immer nach größtmöglicher Unabhängigkeit. Deswegen ging er auch in der damals sehr schwierigen Zeit sofort das Risiko ein, eine eigene Firma zu gründen.



Und in welcher Weise formte seine Persönlichkeit den Charakter des Unternehmens?
 

Helmut M. Heine: Es ist ja bekannt, dass starke Führungspersönlichkeiten den Charakter des von ihnen geleiteten Unternehmens besonders prägen. Mein Vater war ein Mann, der Wissenschaft und Technik immer vor die kommerziellen Belange stellte. Dazu hatte er einen enormen Hang zu Werten wie Präzision, Qualität und Perfektion. Er strebte Perfektion in allem an: in der Qualität, der Funktion und im Aussehen. Das ging so weit, dass er jedes Instrument in den ersten Jahren sogar mit seiner Unterschrift gravieren ließ - so sehr wollte er dem Kunden zeigen, dass er ganz persönlich hinter der Qualität jedes Produkts steht!



Das setzt voraus, dass Ihr Vater von der Konzeption über das Design bis hin zum fertigen Produkt in jeden Fertigungsschritt involviert war. War er ein Allroundtalent?
 

Helmut M. Heine: Ja, so könnte man es ausdrücken. Damals hatte HEINE 12 Mitarbeiter. Mein Vater war nicht nur Führungspersönlichkeit, er war auch sehr modern. Er sah sich als Teil des ganzen HEINETeams und nahm ganz aktiv am Produktionsprozess teil.



Was hat Ihren Vater in dieser schwierigen Zeit motiviert?
 

Helmut M. Heine: Das ehrgeizige Ziel, seinen wissenschaftlichen Background einzubringen und die besten Geräte zu konstruieren und zu bauen, die es gab.



Und was war der Schlüssel zum Erfolg?
 

Helmut M. Heine: Es war schlichtweg die Tatsache, dass seine Philosophie griff. Seine Instrumente waren tatsächlich wesentlich besser als alles, was zum damaligen Zeitpunkt auf dem Markt zu finden war. Schnell sprach sich in der Ärzteschaft, herum: "Kauft HEINE-Geräte, denn das sind die besten!". Mit dieser Mundpropaganda setzte dann der Erfolg ein.



Welchen Stellenwert nimmt das Thema Qualität heute für Sie ein, bzw. wie würden Sie den Begriff definieren?
 

Helmut M. Heine: Qualität ist für mich das uneingeschränkte Vertrauen in die Funktionstüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Haltbarkeit eines Produkts. Aber auch in den begleitenden Service. Gerade im medizinischen Bereich sehe ich diese Maxime als unabdinglich. Schließlich hängt von der Qualität eines Diagnostikinstruments ja auch die Diagnose ab!



Sichert dieses Anspruchsdenken heute Ihren Wettbewerbsvorsprung?
 

Oliver Heine: Wenn man wie wir den Qualitätsanspruch über alle Bereiche des Unternehmens stellt, dann ja. Das heißt, von Forschung und Entwicklung über Konstruktion und Fertigung bis hin zum Service. Seit 60 Jahren sind wir von dieser Aufgabe beseelt, das Optimum zu finden und es weiterzuentwickeln. Unsere Endkunden wissen das zu schätzen und investieren gerne in unsere Produkte, da sie sich trotz höherer Anschaffungskosten langfristig einfach besser rechnen.



Ein so hoher Qualitätsanspruch bedeutet gleichzeitig einen sehr langen Produktlebenszyklus. Woraus resultiert das starke Wachstum Ihres Unternehmens?
 

Oliver Heine: Zwei Aspekte sind hier wichtig: Einmal finden laufend Verbesserungen bei den neuen Generationen unserer Geräte statt, die oft auch die Diagnose des Arztes effizienter gestalten. Damit geben wir Anreize, alte Geräte zu ersetzen. Auf der anderen Seite investieren wir kräftig in die Neuproduktentwicklung. Und geben so noch mehr Kaufanreize. Inzwischen liegen ca. 260 Instrumente, mit derzeit ca. 1.800 aktiv im Verkaufsprogramm befindlichen unterschiedlichen Produktkomponenten und -kombinationen, zwischen dem Produktprogramm von HEINE vor 60 Jahren und dem von heute.



Wie hoch schätzen Sie den Wert von gutem Design bei einem medizinischen Instrument ein?
 

Oliver Heine: Das Design der Diagnostikinstrumente der ersten 40 bis 45 Jahre unserer Tätigkeit basierte allein auf der zweckmäßigen Umsetzung von Technik und Funktion in das Gerätedesign. Erst in den letzten fünfzehn Jahren hat sich das langsam verändert. Seit ca. zehn Jahren ist ein außergewöhnlicheres, modisches Design für die teilweise stark durch Emotionen beeinfl usste Kaufentscheidung wichtig geworden.



Eine ganz andere Frage. Warum investiert HEINE weiterhin so stark in die eigenen Produktionsstätten?
 

Oliver Heine: Auch das hat etwas mit unserem Verständnis von Qualität zu tun. Als mein Großvater 1946 das Unternehmen gründete, gab es kaum Produzenten, die uns mit den für unser Geschäft notwendigen Dingen beliefern konnten. Auf der anderen Seite haben wir sehr schnell realisiert, dass Teile, die spezifisch nach eigenen Bedürfnissen produziert werden, einfach eine bessere Gesamtqualität des Produkts garantieren. So lag es nah, dass wir HEINE-Qualität aus einer Hand liefern mussten. Bis heute versuchen wir möglichst viele Teile selbst zu produzieren.



Ist das nicht auch eine finanzielle Frage?
 

Helmut M. Heine: Ja, die meisten Firmen sind nicht in der Lage, eine so tiefe Produktion aufzubauen, weil sie die erwirtschafteten Gewinne nicht in die eigene Firma reinvestieren. HEINE reinvestiert traditionell - also schon seit 60 Jahren - fast die gesamten Gewinne wieder in die Firma. Dadurch können wir eine sehr hohe Fertigungstiefe unterhalten und diese sogar noch weiter ausbauen. Und wir bestimmen die Qualität fast zu hundert Prozent von A bis Z selbst.



Und aus dieser hohen Fertigungstiefe ergeben sich wiederum zahlreiche Wettbewerbsvorteile?
 

Helmut M. Heine: Genau. Sie macht uns wesentlich effizienter. Und vor allem schneller. Ob Neukonzeptionen oder Produktoptimierung - wir können spontan auf alle Anforderungen, die an unsere Produkte gestellt werden, reagieren. Und wir müssen uns nicht an langen Lieferzeiten orientieren, sondern können ohne Einschränkung sofort fertigen.



Warum macht HEINE den EU-Trend, in Niedriglohnländer auszuweichen, nicht mit?
 

Oliver Heine: Das hat einige gute Gründe. Zum einen ist es unser oberstes Ziel, langfristig Qualitätsprodukte in einem weltweiten Markt zu verkaufen. Zum anderen tun wir dies seit 60 Jahren sehr erfolgreich von Deutschland aus. Als ein bereits in der dritten Generation angesiedeltes Familienunternehmen sind wir natürlich auch mit unserem Standort am Ammersee verwurzelt. Darüber hinaus sehen wir die Qualität einer Firma vor allem auch als die Summe der Qualität der Mitarbeiter. Wir zeichnen uns durch eine loyale, sehr gute und vor allem sehr qualitätsbewusste Belegschaft aus. Und finden in Deutschland immer noch genug gut ausgebildetes Personal. Auch das Argument der höheren Standortkosten ist für uns noch einigermaßen zu verkraften, da wir relativ effizient arbeiten und dadurch noch in der Lage sind, konkurrenzfähig zu sein.



Wie viele Mitarbeiter sind weltweit bei Ihnen beschäftigt?
 

Helmut M. Heine: Verteilt auf die Länder Deutschland, Schweiz, USA, Kanada, Australien und Skandinavien arbeiten in der HEINE Gruppe insgesamt 550 Mitarbeiter. In Deutschland haben wir ca. 440 Mitarbeiter, davon ca. 340 in Herrsching und ca. 100 bei Zorn am Bodensee. Alle anderen Mitarbeiter sind bei unseren Tochtergesellschaften im Ausland tätig.



Viele HEINE-Mitarbeiter arbeiten seit über 20 Jahren im Unternehmen, eine große Anzahl sogar schon über 40 Jahre. Woher kommt diese große Treue?
 

Helmut M. Heine: Die Treue unserer Mitarbeiter dürfte daher rühren, dass wir ein Familienunternehmen sind und jeder HEINE-Mitarbeiter ein Teil der "HEINE-Familie" ist. Mein Vater hat sich von Anfang an sehr um "seine" Mitarbeiter bemüht und sowohl ich, als auch mein Sohn Oliver führen diese Tradition fort. Wenn Mitarbeiter in so großer Zahl über so viele Jahre bei uns bleiben, heißt das, dass sie sich wohl fühlen, dass die Arbeitsatmosphäre stimmt! Wir haben ein sehr familiäres Verhältnis, wir respektieren jedes Mitglied unseres "HEINE Teams" und versuchen immer fair zu handeln.



Wie gewichten Sie den internationalen Markt?
 

Oliver Heine: Der internationale Markt ist enorm wichtig für uns. Wie wichtig, ergibt sich aus den nachfolgenden Zahlen: HEINE erwirtschaftet knapp 15 Prozent seines Umsatzes in Deutschland. Der gesamte Rest, also ca. 85 Prozent des Umsatzes wird in Ländern außerhalb Deutschlands gemacht.



Und welche Rolle spielen dabei die Handelspartner?
 

Oliver Heine: Da unsere Produkte nur über den Fachhandel vertrieben werden, spielen sie eine sehr bedeutende Rolle. Weltweit sind es ca. 5.000 Partner, die unsere Geräte zum Endabnehmer bringen. Auch in den Auslandsmärkten ist der Fachhandel, der dort über Importeure, Agenten oder unsere eigenen Niederlassungen betreut wird, nach wie vor sehr wichtig.



5.000 Handelspartner ? Wie machen Sie aus ihnen gut informierte Botschafter für ein HEINE-Produkt?
 

Oliver Heine: Das ist wirklich eine Herausforderung. Wir engagieren uns sehr stark in Schulungen und Fortbildungen. Und natürlich ist auch die kontinuierliche Information ein großes Thema, damit unsere Handelspartner kompetente Gesprächspartner für den Arzt oder das Krankenhaus darstellen.



Bei solchen Zahlen muss man annehmen, dass HEINE- Geräte in jedem Land und in jedem Winkel der Welt zu finden sind.
 

Helmut M. Heine: Das ist tatsächlich so! Selbst auf den Malediven oder in anderen entlegenen Gebieten der Erde werden Sie, falls Sie dort zum Arzt gehen, mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem HEINE Gerät untersucht.



Nach 60 Jahren ? Was bleibt unverändert bei HEINE?
 

Oliver Heine: Die Basisphilosophie ist sicherlich genau dieselbe wie am Anfang. Unser höchstes Ziel ist immer noch kompromisslose Qualität. Demzufolge werden wir auch unserer hohen Fertigungstiefe treu bleiben, denn sie ist unsere beste Kontrollinstanz. Darüber hinaus sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass eine vertrauensvolle, faire, ehrliche und freundliche Zusammenarbeit mit allen Menschen, mit denen wir zu tun haben, von großer Bedeutung ist.



Und was hat sich Ihrer Meinung nach in den letzten 60 Jahren verändert?
 

Helmut M. Heine: Allein vom globalen Gesichtspunkt aus betrachtet ungeheuer viel. Heute beschäftigen uns Plagiatpiraterie und ein sehr aggressiver Konkurrenzkampf. Und natürlich gestalten sich auch die Anforderungen an unsere Produkte wesentlich komplexer. HEINE hat hierauf nicht nur mit einem grundlegenden Umbau der Organisationsstrukturen und Fertigungsprozesse reagiert, sondern auch mit kompletten Neuproduktentwicklungen. Vieles hat sich aber auch zu unseren Gunsten weiterentwickelt. So ist heute zum Beispiel eine Symbiose zwischen exzellenter Produktqualität und hervorragendem Marketing eine unserer tragenden Säulen.



Wie sehen Ihre Zukunftsvisionen aus?
 

Oliver Heine: HEINE ist heute internationaler Marktführer und Komplettanbieter im Bereich medizinischer Diagnostikinstrumente. Das möchten wir natürlich auch in Zukunft bleiben. Und zwar in der heutigen Struktur. Also am Standort Deutschland und als mittelständisches, unabhängiges Familienunternehmen. Schließlich hat uns die Erfahrung gelehrt, dass eine gravierende Veränderung in den Besitzverhältnissen, vor allem wenn Großunternehmen die Kontrolle über Familienunternehmen übernehmen, die gesamte Firmenkultur zerstört. Somit tragen unsere Visionen die Namen "Unabhängigkeit" und "Qualität". Und wir werden jeden Tag daran arbeiten, uns beides für die Zukunft zu bewahren.



Abschließend: Wenn Sie spontan überlegen, was macht Ihnen nach knapp 20 Jahren HEINE am meisten Spaß?
 

Helmut M. Heine: Zum einen die Tatsache, dass man weltweit bei Ärzten, Vertretern und Händlern sehr viel Respekt genießt. Das geht so weit, dass uns oft Ärzte, die auf einer Messe an unserem Stand vorbeikommen, die Hand ausstrecken und sich spontan dafür bedanken, dass HEINE so hervorragende Geräte produziert.

       

Zum anderen macht es auch weiterhin Spaß, sich immer wieder den alltäglichen Herausforderungen zu stellen - gemeinsam mit dem engagierten HEINE-Team.
Darüber hinaus ist es besonders schön, dass wir seit Jahren wirklich freundschaftliche und familiäre Beziehungen mit unseren Handelspartnern aufgebaut haben.


               
         

Diese menschlichen Werte sind mindestens ebenso wichtig wie das eigentliche Geschäft!